Sommer-Summit 2021 – 1. & 2. Juli 2021

female.vision …die Zukunft ist weiblich!

Let´s talk about SEXismus!

Von unserer Vision einer friedlichen Welt, in der wir uns unabhängig von Geschlecht, Alter, Herkunft, Hautfarbe oder sexueller Orientierung gleichberechtigt begegnen, sind wir weit entfernt. Warum?

Auch wenn gefühlt nahezu alles gesagt ist, bleibt der Eindruck, dass wir bei der Überwindung sexistischer Diskriminierung auf der Stelle treten. Es besteht eine Lücke zwischen einem weit fortgeschrittenen Diskurs und noch zu vielen Bereichen, die von Sexismus geprägt sind.

Genau da haben wir mit unserem Sommer-Summit 2021 angesetzt und unter dem Motto „Let´s talk about SEXismus“ eine Debatte angestoßen, die gezielt auf diese Lücke zwischen Reden und Handeln fokussiert und sie in all ihren Facetten auslotet.

Das waren die Highlights

female.vision Sommer-Summit – WarmUp

1. Juli 2021, 18 bis 19.30 Uhr, online

Prof. Dr. Bertolt Meyer vom Institut für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der TU Chemnitz hat mit seinem Impuls das Summit eröffnet. Vor dem Hintergrund seines Forschungsschwerpunktes im Bereich Diversität und Stereotype, hat er aus wissenschaftlicher Perspektive nicht nur Ursachen und Folgen der Lücke zwischen Reden und Handeln beschrieben, sondern auch aufgezeigt, was getan werden muss um die Lücke zu schließen.

Impulsvortrag von Bertolt

Das waren die wichtigsten Erkenntnisse:

1. Stereotype und Vorurteile sind nicht das gleiche. Stereotype sind eine zentrale Voraussetzung für die Entstehung von Vorurteilen

2. Stereotype sind eine Maßnahme unseres Gehirns um viele Informationen effizient zu kategorisieren. Das war in unserer Evolutionsgeschichte offensichtlich so sinnvoll, dass sie deshalb tief in uns verwurzelt sind.

3. Stereotypisierung und damit verbundene sexistische Diskriminierungen halten sich auch deshalb so hartnäckig, weil sie das Selbstwertgefühl derer so enorm heben, die hiervon am meisten profitieren.

4. Der Zusammenhang zwischen Stereotypisierung und Verhaltensweise muss erkannt und aufgelöst werden. Das gelingt uns, wenn diskriminierendes Verhalten aufgedeckt und auf die zugrundeliegenden Stereotypen zurückgeführt wird.

5. Dabei hilft darüber reden. Deshalb gilt: Let´s talk about SEXismus!

female.vision Sommer-Summit

2. Juli, 11 bis 13 Uhr, online

Der wissenschaftlichen Einordnung der Thematik vom Vorabend folgte die Perspektive des persönlichen Erlebens: In einer spannenden Podiumsdiskussion haben wir die Erfahrungen und den Umgang mit der toxischen Wirkung von Sexismus sichtbar gemacht. Unsere Podiumsgäste waren, die Herzchirurgin und  Buchautorin Dilek Gürsoy, der Countertenor Nils Wanderer sowie die Unternehmerin und Verlegerin Romina Stawowy. Sie haben uns gesagt, wo sie die Lücke zwischen Reden über SEXismus und Handeln verorten, wie das aus ihrer Perspektive sichtbar wird und welche Strategien sie entwickelt haben, um diese Lücke zu schließen.

Der Diskussion auf dem Podium darüber schloss sich ein Austausch in Kleingruppen an, denn wir wollten auch den zahlreichen Teilnehmer:innen wissen, wo und wie sie Sexismus im Alltag erlebt und was passieren muss, damit er verschwindet.

Podiumsdiskussion mit Dilek, Nils und Romina

Unsere UnterstützerInnen und KooperationspartnerInnen

 

CHEMISTREE - - Intelligentes Matching für individuell passgenaue Beziehungen
PANDA - Initiative, Event-Reihe und Netzwerk für Führungsfrauen
FidAR e.V. – Initiative für mehr Frauen in die Aufsichtsräte
Women's Boardway
WOMEN IN MOBILITY
EAF Berlin

Unsere Impulsgeber:innen

Prof. Dr. Bertolt Meyer
Professor für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der TU Chemnitz

Die Lücke zwischen Reden und Handeln – Perspektive eines Wissenschaftlers

Bertolt Meyer ist Professor für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der TU Chemnitz, Geschäftsführender Direktor des dortigen Instituts für Psychologie und Mitherausgeber der Fachzeitschrift „Small Group Research“. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Diversität und Stereotype, Betriebliches Gesundheitsmanagement und Digitalisierung. Entwicklung und wiss. Validierung des momentan   führenden Algorithmus zur Berechnung von Faultlines in Teams/Organisationen.

Vor dem Hintergrund seiner umfassenden Expertise in diesem Feld , wird er aus wissenschaftlicher Perspektive nicht nur Ursachen und Folgen der Lücke zwischen Reden und Handeln beschreiben, sondern auch aufzeigen, was getan werden muss um die Lücke zu schließen.

Er sagt selber: „Sexismus ist nicht nur strukturelle Diskriminierung und gender-pay-gap, sondern beginnt bei unbewussten Stereotypen und Biases. Nur wenn wir diese Mechanismen verstehen, können wir sie wirksam bekämpfen.“

Dr. med. Dilek Gürsoy
Herzchirurgin, Medizinerin des Jahres 2019, Buchautorin, Unternehmerin

 

Die Lücke zwischen Reden und Handeln – Perspektive einer Ärztin

Dilek Gürsoy wollte schon immer Ärztin werden. Nach dem Abitur begann sie deshalb 1997 an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf das Studium der Humanmedizin und beendete es 2003. Im 1. Semester des Medizinstudiums bekam sie die Gelegenheit, durch einen Kuppelsaal eine herzchirurgische Operation live mit zu verfolgen. Dieses Erlebnis beeindruckte sie nachhaltig und war ausschlaggebend für die Wahl ihrer Fachrichtung: die Herzchirurgie.

Auf ihrem beruflichen Weg in der Herzchirurgie musste sie mit vielfältigen Hindernissen umgehen, denn bisher gibt es in dieser Domäne noch keine einzige Frau, die es in die Chefarztetage geschafft hat. Ihre Erfahrungen auf dem Weg an die Spitze hat sie in Ihrem Buch beschrieben: „Ich stehe hier, weil ich gut bin: Allein unter Männern: Eine Herzchirurgin kämpft sich durch“.

Dilek sieht sich als Pionierin, deren Aufgabe es ist, dafür zu sorgen, dass es für die nächste Generation an Frauen in der Herzchirurgie durchlässiger wird.

Sehr hörenswert ist hierzu auch Episode #10 der female.vision PodCastReihe mit Dilek Gürsoy wo sie sagt, dass es sowohl für das Miteinander im Krankenhaus wie auch für die Qualität der klinischen Arbeit wichtig ist, alle Mitarbeitenden eines Krankenhauses, unabhängig von ihrer Rolle und ihrem Status zu wertschätzen.

Nils Wanderer
Countertenor

 

Die Lücke zwischen Reden und Handeln – Perspektive eines Künstlers

Der Countertenor Nils Wanderer studierte Gesang an der Hochschule für Musik in Weimar in der Klasse von Prof. Siegfried Gohritz. Seit September 2019 ist er Mitglied des Opera Course der Guildhall School of Music & Drama in London und studiert dort bei Professor Andrew Watts.

Als Gewinner des Young Artist Awards des Barbican Centres in London erhält er ein volles Stipendium für sein Studium und gibt regelmäßig Konzerte im Rahmen der Barbican Concerts mit dem London Symphony Orchestra und London Symphony Chorus.

Neben seiner Gesangskarriere arbeitet Nils Wanderer als Schauspieler, Choreograph für Theater und Film und ist künstlerischer Leiter des Barock-Ensembles MERIDIES.

Romina Stawowy
Unternehmerin und Verlegerin

 

Die Lücke zwischen Reden und Handeln – Perspektive einer Unternehmerin

Initiatorin und Organisatorin der femMit-Konferenz sowie Herausgeberin des seit 2020 bundesweit erscheinenden Magazins femMit ist Romina Stawowy – 38 Jahre, Unternehmerin in Dresden und Mutter von drei Kindern. Zuvor arbeitete sie als Geschäftsführerin der Agentur STAWOWY, die auf Medien- und Politikkommunikation spezialisiert ist. Davor als Anzeigen- und Verlagsleiterin von PRINZ Dresden sowie als Marketing- und Theaterleiterin des Rundkinos in Dresden.

Nachdem die für April 2020 geplante femMit-Konferenz in Dresden aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden musste, entwickelte Romina ein neues Gesellschafts-Magazin, welches unter anderem die Themen der Konferenz abbildet und viermal im Jahr erscheinen soll. Das femMit Magazin erschien erstmals am 1.10.2020. „Denn: Gleichberechtigung wartet nicht, bis sich Corona ausgetobt hat. Die vergangenen Monate haben uns noch einmal deutlich vor Augen geführt, dass wir über Gleichberechtigung sprechen müssen“, so Stawowy.  „Ich will mit diesem Magazin Vorbilder zeigen und Mut machen. Denn es gibt so viele tolle Menschen, die sich für Gleichberechtigung, für Diversity, für Chancengleichheit und gegen Ungerechtigkeit einsetzen, wir müssen sie nur zeigen!“

Bild Copyright André Forner

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